Seit 50 Jahren im Namen der Geschwister Scholl

Seit 50 Jahren trägt die Geschwister-Scholl-Schule in Ingersheim mittlerweile ihren Namen. Dem damit verbundenen geschichtlichen Erbe fühlt sich die Grundschule nach innen und außen verpflichtet.

Die Klasse 4b nimmt mit ihrer Klassenlehrerin Brigitte Dix-Wiest gerade das Geschwister-Scholl-Bild des Crailsheimer Malers Gerhard Frank im Foyer der Schule durch.

Als im Zuge der Schulreform Anfang der 1960er-Jahre die Hauptschulen von Jagstheim, Westgartshausen, Schüttberg und Ingersheim zu einer Schule zusammengefasst wurden, erhielt die Schule in Ingersheim ihren Namen - das war heute vor 50 Jahren. "Es ist für eine reine Grundschule, die wir mittlerweile sind, nicht ganz einfach, das Thema an die Schüler heranzutragen. Als hier noch Hauptschüler waren, war das einfacher", bekennt Schulleiter Manfred Hügelmaier. "Krieg ist für Kinder ein Angstthema, weshalb wir den Fokus nicht auf den Nationalsozialismus richten, sondern die Wesenszüge der Geschwister Scholl in den Vordergrund stellen, also Menschlichkeit, Freiheitsdrang, Mut und Zusammenhalt", erklärt er. Die Arbeit der Schule stütze sich auf drei Säulen, erläutert Hügelmaier: "Wir arbeiten im Sinne der Geschwister Scholl, wir sind anerkannte Unesco-Projektschule, an der die Erziehung zu Frieden, Menschlichkeit und die Arbeit an den Menschenrechten im Vordergrund steht, und schließlich arbeiten wir mit einem Wertekalender, den Eltern, Lehrer und Schüler gemeinsam ausgearbeitet haben."

Hans Scholl ist in Ingersheim geboren

Die Geschwister Scholl und die Widerstandsgruppe "Weiße Rose" sind dabei im Schulalltag allgegenwärtig. Metallbüsten und eine Stele erinnern an die Geburts- und Todestage der Geschwister, von denen Hans in Ingersheim geboren wurde. Im Foyer des Schulgebäudes ziert seit 1982 das Gemälde "Die Geschwister Scholl" von Gerhard Frank eine große Wand. Zum Bild gibt es Unterrichtseinheiten in den Klassen 3 und 4, in denen sich die Kinder mit dem Inhalt des Bildes auseinandersetzen. Außerdem haben die Ingersheimer Grundschüler mit dem Grimminger-Scholl-Forum im Obergeschoss ein Stück Geschichte zum Anfassen direkt vor Augen. Das Durchgangszimmer wurde nach der Auflösung des Hauptschulzugs zu einer Gedenkstätte umfunktioniert, in der Möbel der Familien Scholl und Grimminger sowie andere Andenken an die "Weiße Rose" ihren Platz fanden. Auf dem Flur stehen Vitrinen, die immer wieder themengerecht bestückt werden. So können sich die Schüler derzeit über die letzten fünf Tage der Geschwister Scholl informieren. "Die Türen des Zimmers sind immer unverschlossen, die Kinder können immer hinein. Dass in all den Jahren weder das Bild im Foyer, noch ein Gegenstand im Forum beschädigt wurde, zeigt, mit welchem Respekt die Schüler mit der Thematik umgehen", hebt Hügelmaier hervor.

Rektor Manfred Hügelmaier vor der Glasvitrine mit der Ausstellung "Die letzten fünf Tage".

Ursprünglich, als sein Kollegium noch mehr als 25 Lehrkräfte hatte, gab es an der Schule ein Scholl-Team, das für die Umsetzung des Themas zuständig war. Mit einem Kollegium von nur mehr elf Lehrern sei dies nicht mehr leistbar, weshalb der Rektor dankbar ist, dass Hannes Hartleitner als Schulbeauftragter das Thema Geschwister Scholl mit Aktionen wie Lesungen, Info-Veranstaltungen und Themenspaziergängen nach außen trägt. "Unser Ziel ist, Einrichtungen wie den Arbeitskreis Weiße Rose und die Initiativgruppe Geschwister-Scholl zusammenzuführen", erläutert Hügelmaier. Das Ziel, das die Schule mit ihren Bemühungen um das Andenken der Geschwister Scholl verfolgt, ist eindeutig. Rektor Hügelmaier betont: "Kein Kind soll nach der vierten Klasse unsere Schule verlassen, ohne zu wissen, wer die Geschwister Scholl waren und warum sie gestorben sind."

Der Beitrag ist dem Hohenloher Tagblatt entnommen.
Text und Fotos stammen von Julia Vogelmann
Wir bedanken uns für die Genehmigung zur Veröffentlichung