Gedenken an die Namensgeber unserer Schule - Die Geschwister Hans und Sophie Scholl

Hans Scholl, geboren am 22. September 1918 in Ingersheim
Hans Scholl, geboren am 22. September 1918 in Ingersheim

Hans und Sophie Scholl, die beiden Mitglieder der Weißen Rose, die während des Zweiten Weltkrieges gewaltfreien Widerstand gegen die schreckliche Nazidiktatur leisteten.

Sophie Scholl, geboren am 9. Mai 1921 in Forchtenberg am Kocher
Sophie Scholl, geboren am 9. Mai 1921 in Forchtenberg am Kocher

Peter Erler, ehemaliger Lehrer der Geschwister-Scholl-Schule, informiert in einem Gemeindebrief die Ingersheimer Bürger über das Leben der Geschwister Scholl

Im Jahr 2008 gedachten wir an unserer Geschwister-Scholl-Schule in Crailsheim-Ingersheim des 90.Geburtstages von Hans Scholl. Ein Alter, das heute viele Menschen erreichen. Hans und Sophie dagegen starben schon mit 24 bzw. 21 Jahren eines gewaltsamen Todes.
Weshalb geschah dies?
Was waren das für Menschen, die ihr junges Leben für Freiheit und Menschenwürde opferten?

Hans und Sophie Scholl waren alle beide "Hohenloher":
Hans wurde am 22. September 1918 in Ingersheim und Sophie am 9. Mai 1921 in Forchtenberg am Kocher geboren.
Der Vater Robert Scholl, aus dem Mainhardter Wald stammend, war ab 1917 Bürgermeister von Ingersheim-Altenmünster, ab 1920 von Forchtenberg. Die Mutter Magdalene, geb. Müller aus Künzelsau, war vor ihrer Heirat Diakonissenschwester im Haller Diak.
Auch ihre anderen drei Kinder wurden in Ingersheim und Forchtenberg geboren, so dass wir von einer Hohenloher Familie sprechen können.

Schon früh in ihrer Kindheit und Jugend muss auf Hans und Sophie das Wesen und die Gesinnung ihrer Eltern sehr prägend gewirkt haben: Der Vater war Pazifist und leistete deshalb im 1. Weltkrieg Sanitätsdienst. Er war ein fortschrittlicher, belesener, freiheitsliebender Geist. Die Mutter war eine fröhliche, den Menschen und dem Leben zugewandte Frau. Sie fühlte sich zu den Kranken und Sozial-Schwachen hingezogen. Auch als Frau des Bürgermeisters kümmerte sie sich um soziale Belange.

Hans und Sophie verbrachten in Forchtenberg, dem idyllischen Städtchen im Kochertal, die wichtigsten Jahre ihrer Kindheit, lernten Natur und Umgebung lieben. Als die Familie nach Ludwigsburg und später nach Ulm übersiedelte, mussten sich die Kinder auf ein städtisches Leben umstellen. Alle besuchten die höhere Schule. Nach einiger Zeit bei Hitlerjugend bzw. BdM wendeten sich Hans und Sophie kritisch von diesen Organisationen ab. Hans schloss sich der inzwischen von den Nazis verbotenen Bündischen Jugend an. Wegen dieser Mitgliedschaft wurde zuerst Hans, dann wurden alle Scholl-Kinder verhaftet und machten das erste Mal Bekanntschaft mit einem Gefängnis.

Als der Krieg begann, wurde Hans zu einer Sanitätskompanie eingezogen - er hatte bereits in München Medizin zu studieren begonnen. Er war fortan halb Student, halb Soldat. Sophie wurde erst zum Reichsarbeitsdienst, dann zum Kriegshilfsdienst verpflichtet, bevor sie ebenfalls in München mit ihrem Studium beginnen konnte.

Hatten beide schon seit Jahren sich von den herrschenden Zuständen im Nazi-Deutschland distanziert, so wuchs nun in München zunehmend der innere Widerstand gegen ein Diktaturregime, das freiheitliches Leben, Kunst und Kultur immer mehr erstickte, das sich dem Rassismus und Krieg verschrieb. Hans und Sophie sahen es - vor allem auch nach der militärischen Katastrophe von Stalingrad - jetzt als dringend nötig an, zusammen mit anderen Gleichgesinnten auch äußeren Widerstand zu leisten. Sie verfassten und verteilten die "Flugblätter der Weißen Rose" und schrieben Parolen auf Straßen und an Häuserwände: "Nieder mit Hitler" - "Freiheit". Gestapo und politische Führung waren aufs höchste alarmiert, denn ein solcher geistiger Widerstand bedeutet die größte Gefahr für ein Diktaturregime. Die Mitglieder der "Weißen Rose" waren denn wohl auch der Hoffnung, einiges mit ihren Aktionen ausrichten und auch andere Menschen zum Widerstand bewegen zu können, doch Deutschland war inzwischen zu einem großen Gefängnis geworden, in dem die Angst bei den allermeisten Menschen ihre sonst positiven menschlichen Regungen lähmte.

Bei einer spektakulären Flugblattaktion in der Münchner Uni wurden sie erwischt, verhaftet und nach einem Schauprozess am 22. Februar 1943 durch das Fallbeil hingerichtet. Gefängnisbeamte und Mitgefangene berichten respektvoll über ihren furchtlosen Gang zur Hinrichtung.

Es gibt inzwischen etliche Bücher über die beiden Scholls und ihre Freunde von der "Weißen Rose". Viele Briefe und Aussagen von ihnen sind überliefert. Aus diesen Zeugnissen spricht ein wacher, gebildeter Geist und eine für ihr junges Alter ungewöhnliche geistige Reife.


Der damalige englische Premierminister Winston Churchill sagte 1946 - im Blick auf diese couragierten Menschen - vor dem britischen Unterhaus:

"In Deutschland lebte eine Opposition, die zum Edelsten und Größten gehört, was in der politischen Geschichte aller Völker hervorgebracht wurde. Diese Menschen kämpften ohne Hilfe von innen und außen - einzig getrieben von der Unruhe des Gewissens. Solange sie lebten, waren sie für uns unsichtbar, weil sie sich tarnen mussten. Aber an den Toten ist der Widerstand sichtbar geworden. Diese Toten vermögen nicht alles zu rechtfertigen, was in Deutschland geschah. Aber ihre Taten und Opfer sind das unzerstörbare Fundament des neuen Aufbaus."


 

Der in Crailsheim bekannte Kunstmaler Gerhard Frank hat der Geschwister-Scholl-Schule zur Einweihung des Neubaus ein Bild gemalt, das sehr häufig von Schulklassen besucht wird.
Das Bild zeigt die Geschwister Scholl beim Verteilen von Flugblättern gegen den Krieg und die Nazi-Diktatur.

 

Hier kommen Sie zu einer genauen Beschreibung des Bildes.